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Fettercairn Warehouse 2 – Online Tasting mit Stewart Walker

Fettercairn habe ich lange nicht mehr probiert. In Erinnerung blieb mir nur, dass es damals nicht so mein Fall war und daraufhin habe ich keine weiteren Abfüllungen mehr probiert. Nun bin ich von Fettercairn zu einem Online Tasting mit Distillery Manager Stewart Walker eingeladen worden und bin neugierig. Mit dabei auch der neue, limitierte Fettercairn Warehouse 2 Batch 001.

Im Überblick

  • New Make
  • Fettercairn 12yo, pure American oak, 40%, ca. 40.- EUR
  • Fettercairn Warehouse 2, Batch 001, 2010/2021, 49.7%, 3.600 Flaschen, ca. 65.- EUR
  • Fettercairn 16yo, 100% chocolate malted barley, 46.4%, war ca. 60.- EUR (nicht mehr erhältlich)
  • Fettercairn 22yo, full Bourbon Casks, 47%, ca. 210.- EUR
  • Fettercairn 23yo, Travel Retail, Bourbon und Cognac Finish, 48.5%, ca. 240.- EUR

Ein schöner Abend mit einigen Einblicken und dem Fettercairn Warehouse 2

Fettercairn wird seit Kurzem von einem neuen Importeur in Deutschland betreut und Mack & Schühle hat es sich nicht nehmen lassen, die Destillerie im Besitz von Whyte & Mackay gleich mal ins rechte Licht zu rücken. Mit geballter Präsenz von Whyte & Mackay und Mack & Schühle waren es ca. 40 Teilnehmer, die von Basti (Instagram @Whiskygermany), Andrew Lennie (UK Brand Specialist von Whyte & Mackay) und natürlich durch Stewart Walker direkt aus der Destillerie durch den Abend geführt wurden.

Fettercairn Warehouse 2 Batch 001 Vorstellung: Andrew, Stewart, Basti und Peter
Andrew, Stewart und Basti erzählen und ich höre gespannt zu

Neben den fünf Whiskys war auch ein kleiner Zerstäuber mit etwas New Make in dem Paket. Das sollte uns, versprüht auf die Handinnenflächen mit anschließendem Verreiben, dabei helfen, den Destillerie Charakter kennenzulernen. Frisch und exotische Früchte.

Fettercairn Warehouse 2 Batch 001 - Samples sind vorbereitet
Samples sind vorbereitet (noch in der falschen Reihenfolge)

Andrew hat uns dann zur Einstimmung ein kleines Video aus der Destillerie gezeigt und dabei haben wir dann gleich die Besonderheit entdeckt: Fettercairn besitzt als einzige Destillerie einen „Cooling Ring“ über der Spirit Still, d.h. entlang dem Hals läuft kaltes Wasser über das Kupfer und kühlt die Brennblase von außen. Dabei entsteht sogenannter „Reflux“. Der gasförmige Alkohol wird wieder fest und rinnt wieder in die Brennblase zurück. Dadurch wird diese „leichte“ Note erzeugt. Jetzt weiß ich endlich, warum Fettercairn für mich so deutlich anders war als andere Whiskys. Das Quellwasser hat übrigens einen Temperaturunterschied von 9°C von Sommer zu Winter. Das dürfte sich auch auf den Whisky durchschlagen.

Cooling Ring bei Fettercairn
Cooling Ring der Spirit Still

Es gibt insgesamt 14 Lagerhäuser – alle Dunnage, d.h. die Fässer liegen maximal drei übereinander. Stewart ist neben der Destillerie aufgewachsen und ist dieser sehr verbunden. Er gewährt uns einige Einblicke und Ausblicke. Die Eindrücke haben mich wieder daran erinnert, was ich letztes und dieses Jahr nicht verwirklichen konnte: Schottland und Destillerien besuchen. Fettercairn steht jetzt auf jeden Fall auf meiner Liste. Schöne Eindrücke.

Bis 2011 wurde bei Fettercairn auch noch Peated Whisky produziert. In den Lagerhäusern finden sich noch einige Fässer, aber aktuell gibt es keine Pläne wieder getorften Whisky zu produzieren. Und auch für die Produktion von Chocolate Malt ist aktuell keine Wiederholung geplant, aber auch von dieser Charge sind noch Fässer vorhanden. Im Gegensatz zu Glenmorangie (Blick hinter die Kulissen: Glenmorangie sieht für eine Woche „schwarz“) hat man bei Fettercairn übrigens mit 100% Chocolate Malt gearbeitet – das ist nicht sonderlich ergiebig!

Auf zwei Besonderheiten möchte ich noch eingehen, die ich an diesem Abend erfahren habe. Das Warehouse 2 ist das Warehouse mit den ganzen „Fassexperimenten“, d.h. dort sind 3.216 Fässer, die sich in Chargen alle unterscheiden. Und im Warehouse 2 ist auch noch ein altes Excise Office vorhanden, aber nicht, weil man es behalten wollte, sondern weil es als letztes dran war und man auf einen Freitag nachmittag entschieden hat, es reicht auch noch nächste Woche. Zum Glück ist „typisch schottisch“ nicht abgerissen worden, denn hier wird es zukünftig eine „Bottle your own experience“ geben. Sehr schön!

Und die zweite Besonderheit: hinter der Destillerie wurden 2.000 neue Bäume gepflanzt als „kleine Wiedergutmachung“ für die zur Fassherstellung gefällten Bäume.

Mehr Details zum Fettercairn Warehouse 2

Der neue Fettercairn Warehouse 2, Batch 001 wurde aus 19 ganz unterschiedlichen Fässern zusammengestellt. Die Verteilung hat uns Stewart ebenfalls verraten:

  • Virgin American Oak (5%)
  • Sherry seasoned Oloroso (10%)
  • Sherry-Fässer (10%)
  • Bourbon Barrels (35%)
  • Port Pipes (40%)

Ein kleines aber feines Detail beim Fettercairn Warehouse 2: die Fassverteilung ist auf dem Label mit eingearbeitet worden.

Fettercairn Warehouse 2 Batch 001 - Fassverteilung auf dem Label
Fassverteilung auf dem Label (unter „Warehouse 2“)

Das Einhorn im Logo von Fettercairn ist übrigens das schottische Wappentier, das dem englischen Löwen überlegen sein soll.

Meine Tasting Notes

Tasting Notes Fettercairn 12yo

  • Nase: Frisch und fruchtig, leicht metallisch. Ein wenig ungewöhnlich. 
  • Geschmack: Leicht mit etwas Frucht. Leicht säuerliche Noten. 
  • Abgang: Die säuerlichen Noten halten noch etwas an
  • Wertung: o

Tasting Notes Fettercairn Warehouse 2 Batch 001

  • Nase: Intensiver mit viel Karamell. Erinnert mich ein wenig an „Brauner Bär“. 
  • Geschmack: Auch hier sehr viel Karamell. Ein wenig mehr Pfiff. 
  • Abgang: Eine leichte säuerliche Note mache ich auch hier aus. 
  • Wertung: o

Tasting Notes Fettercairn 16yo (Chocolate Malt)

  • Nase: Ich habe tatsächlich Schokolade in der Nase. Aber auch Karamell und Früchte kommen hervor. 
  • Geschmack: Erdbeeren mit Schokoladensoße. Weitere Früchte, Karamell. 
  • Abgang: Angenehm rund mit viel Schokonoten. 
  • Wertung: +

Tasting Notes Fettercairn 22yo

  • Nase: Viel Vanille und Hagelzucker. Leicht exotische Früchte mit gegrillter Ananas. 
  • Geschmack: Schön rund. Ich bekomme wieder Ananas. Süße Früchte. Frische ähnlich wie der 12yo. 
  • Abgang: Leichte Schärfe. Aprikosen und Nüsse. 
  • Wertung: +

Tasting Notes Fettercairn 23yo

  • Nase: ähnlich wie der 22yo aber kräftiger. 
  • Geschmack: Hier versteckt sich eine Fruchtbombe mit der ich nicht gerechnet hätte. Angenehm sanft
  • Abgang: Ein weniger Schärfe hält sich. 
  • Wertung: +

Fazit

Ich habe mich mit Fettercairn versöhnt. Die Aromen sind „speziell“, aber jetzt positiv. Der 12yo ist ein schöner Einsteiger mit dem man jedes Tasting beginnen kann. Der Warehouse 2 ist ebenfalls sehr gut gelungen, aber die anderen drei haben mir noch deutlich besser gefallen – die sind aber nochmal eine ganz andere Liga und damit ist der Vergleich wohl ein wenig unfair. Der 22yo ist eine reifere Variante des 12yo und der 23yo hat mich mit seiner Fruchtkomplexität sehr überrascht. Mein heimlicher Favorit ist aber der 16yo, der leider nicht mehr erhältlich ist. Mal sehen, ob Stewart nochmal etwas von seinen Chocolat Malt Fässern rausrückt.

Vielen Dank an Whyte & Mackay und Mack & Schühle für die Samples!
Und natürlich DANKE an Basti, Andrew und Stewart!

Ein schönes Bild vom Cooling Ring findest Du auf der Startseite von Fettercairn.