UA im Profil: The Whisky Warehouse No. 8

Welche Abfüllungen gibt es von The Whisky Warehouse No. 8? Wie viele Fässer besitzt die Firma und wie kommt sie an diese? Mal sehen, was Thomas Klink verraten hat…

Zusammenfassung

Thomas und Susanne Klink haben ihre Firma schon 1989 gegründet und haben sich nach langjähriger Erfahrung im Whiskymarkt im Jahre 2007 entschlossen, ihre eigene Whisky Kollektion – die Warehouse Collection zu kreieren. Inhaberin der The Whisky Warehouse No. 8 (WW8) ist Susanne.

Thomas, was habt Ihr denn zwischen 1989 und 2007 gemacht?

Thomas: „Im November 1989 gründeten meine Frau Susanne und ich unser Unternehmen. Zunächst handelte sich um einen Versandhandel inkl. Direktverkauf ab Lager. Als Einzelhandel handelten wir mit allem das den Hinweis Single Malt Whisky auf dem Etikett trug. Die Zeiten waren völlig andere. Zunächst hatte das Internet nicht den heutigen Stellenwert und auch gab es bei weitem nicht so viele Händler, die sich auf Single Malt Whisky spezialisiert hatten. Durch Tastings und Whiskyreisen machten wir uns einen Namen und erreichten eine regionale Bekanntheit. Die sich daraus entwickelten Kontakte nach Schottland führten letztlich zu unserer 2007 gefällten Entscheidung UA zu werden. Zunächst aber wurden wir Anfang/Mitte der 90 Importeur für Cadenhead in Norddeutschland, lange bevor es die Cadenhead Geschäfte in Berlin und Köln gab. Die Zusammenarbeit mit Cadenhead war für uns prägend. Die Abfüllungen waren Top und schon damals erkannten wir das Potential von limitierten Abfüllungen. Durch die veränderte Geschäftsausrichtung Cadenheads ging die gemeinsame Geschäftsverbindung mit uns zu Ende. Zeitgleich vollzog sich in Deutschland ein Entwicklungsprozess, der den Single Malt Whisky Konsum deutlich nach oben schnellen ließ. Immer mehr Single Malt Whisky wurde in Deutschland getrunken. Erste Fachmessen wurden organisiert und Fachhandelsgeschäfte schossen wie Pilze aus dem Boden. Auch sahen plötzlich Supermarktketten einen lukrativen Markt. Zunehmend mussten wir feststellen, dass die Whisky-Pyramiden in den Supermärkten immer größer wurden, und die Abfüllungen dort zu einem Preis angeboten wurden, den wir nicht einmal im Einkauf erhielten. Da kam uns dann unsere Verbindung zu dem damaligen Sales Manager von Cadenhead zugute, so dass ich Kontakte zu Unabhängigen Abfüllern in Schottland knüpfen konnte. So hatten wir uns letztlich nach einigen schlaflosen Nächten entschieden, all unsere Ware zu verkaufen und die Warehouse Collection zu kreieren. Das war 2007. Wir sind stolz auf das Erreichte, exportieren wir mittlerweile nach Skandinavien, Benelux, in die Schweiz und nach Fernost unsere Abfüllungen.

WW8 ist nach wie vor ein kleines Familienunternehmen und das soll auch so bleiben. So besteht das Team des WW8 aus Susanne Klink, Thomas Klink und Michael Brzozowski (Ein-und Verkauf), Carsten Timm (Logistik, Lager) und Ute „Labelqueen“ Timm (Versand). Weitere Freunde und schottische Partner unterstützen Susanne und Thomas.

Adressen – real und virtuell

Marken und Ranges

Jeder UA hat eine oder mehrere Marken unter denen er seine Abfüllungen auf den Markt bringt.  The Whisky Warehouse No. 8 hat eine Vielzahl dieser und deshalb versuche ich die Unterschiede ein wenig herauszuarbeiten.

Range

  • The Warehouse Collection
    SC (Einzelfassabfüllungen), ncf, nca, nur Scotch Single Malt. Die Abfüllungen der Warehouse Collection werden in Holzkisten ausgeliefert.
  • The Warehouse Dram
    Seit 2013, ebenso SC, aber ohne Angabe der Destillerie sowie Trinkstärken-Abfüllungen mit meist 46%. Dort werden Single Malt Whiskys in Trinkstärke, Blended Malt Whiskys, die selteneren Single Grain Whiskys oder internationale Whiskys präsentiert. Immer ncf, nca. 
  • The Warehouse Rum
    Die dritte Marke beschäftigt sich mit Rum.

Preise und Rahmenbedingungen der Abfüllungen

AltersrangeAktuell 8 – 22 Jahre
PreiseAktuell 56 – 130.- EUR
AlkoholstärkeCask Strength; aber je nach Marke auch Trinkstärke mit meist 46%
Anzahl DestillerienVerschiedene Destillerien aus allen Regionen im Sortiment sowie internationale Whisk(e)ys
RegionenKeine Einschränkungen, auch international
Abfüllungen / JahrCa. 10
Abfüllungen seit GründungKeine Angabe
Abfüllanlage und WasserDie Whiskys werden in den jeweiligen Herkunftsländern abgefüllt. Überwiegend in Schottland. Wenn der Alkoholgehalt auf Trinkstärke herabgesetzt wird, so geschieht das ebenfalls im jeweiligen Herkunftsland

Fässer und Wood-Policy

Die Fässer der WW8 liegen bei diversen Destillerien und Lagerhäusern.

Thomas, was kannst Du mir über Eure Fässer verraten?

Thomas: „In den Lagerhäusern der Destillen liegen unsere Fässer, so dass wir über kein eigenes Fasslager verfügen. Wir verfügen derzeit über lagernde Fässer im Alter zwischen 0 – 26 Jahre, dabei verfügen wir über Rum-, Sherry-, Port- und Bourbonfässer. Unsere Fässer werden zentral in Schottland abgefüllt. Dort liegen unsere gebottelten Whiskys in einem Zolllager, von dem wir die notwendigen Paletten abrufen.

Auswahl und Tasting Panel

Viele UAs haben einen ausgewählten Personenkreis, der eine „ausgebildete Nase“ hat. In einem solchen Tasting Panel werden dann nach hauseigenen Spielregeln Whiskys ausgewählt und/oder beschrieben.

Thomas, wie sieht Euer Tasting Panel aus?

Thomas. „Bei WW8 verkosten wir die angebotenen Samples der Fässer gemeinsam. Nach ausführlicher Diskussion und Bewertung entscheiden letztlich Susanne und ich über den Einkauf der angebotenen Fässer.

Thomas, wie wählt Ihr aus, was Ihr als nächstes abfüllt?

Thomas: „Was haben wir derzeit im Portfolio und was brauchen wir aktuell? Immer unter Berücksichtigung der qualitativen Anspruches. Überwiegend Schottland und alles was qualitativ unseren Ansprüchen entspricht.

Ich habe auch noch Mal ausdrücklich nachgefragt, was mit einem Fass passiert, dass sich nicht so entwickelt, wie man es sich wünscht und der Whisky in dieser Form nicht abgefüllt werden kann. Hier ist die Antwort von Thomas: „Da alle Fässer im WW8-Kollektiv verkostet werden, kaufen wir nur dann, wenn uns das Fass nach Geschmack und Qualität zusagt. Bei jungen (1-2 Jahre alt) oder neuen Fassabfüllungen kann man die Entwicklung des Fasses nicht abschließend beurteilen. Entwickelt sich das Fass nicht in unserem Sinne, gibt es die Möglichkeit des eigenen Finishings, da wir in den letzten Jahren in unterschiedliche Arten von „Belegfässern“ investiert haben. Wenn der Entwicklung des Whiskys so gar nicht zu unseren Abfüllungen passt, so bleibt noch der Verkauf. (Ist jedoch noch nicht vorgekommen.)

Besonderheiten

Hier ist nun der Platz, an dem sich der UA selber ins beste Licht rücken darf.

Thomas, was macht The Whisky Warehouse No. 8 so besonders? 

Thomas: „Unsere Abfüllungen werden als Cask Strength mit dem natürlichen Alkoholgehalt oder als Trinkstärke präsentiert. Dabei werden sie weder kühlfiltriert noch koloriert. Unsere Single Malt Whiskys sind individuelle Spirituosen, bei denen kein Fass dem anderen gleicht. Ursächlich hierfür sind u.a. die Lage im Warehouse, die Größe und Beschaffenheit des Fasses und die klimatischen Bedingungen. Alle unsere Fässer liegen in den jeweiligen Destillen zur Reife. Im Gegensatz zu konventionellen Abfüllungen der Destillen bei denen viele verschiedene Fässer cuvéetiert werden bleibt bei unseren Abfüllungen die Individualität des jeweils handverlesenen Fasses erhalten. Dabei steht ausschließlich die Einzigartigkeit und Qualität im Vordergrund. Das Ergebnis sind Individualisten die bereits jetzt als Raritäten gelten.
 Das unsere Whiskys top sind, zeigen die Internationalen Auszeichnungen.

Empfehlung von The Whisky Warehouse No. 8

Auf die Frage, welche Flasche aus dem aktuellen Sortiment besonders zu empfehlen ist, antwortete mir Thomas: „Die Frage möchte ich am Beispiel unseres Braon Peats (zu dt. „torfigies Tröpfchen“) beantworten: Der Braon Peat ist ein Single Malt, ein Small Batch. Wir hatten schon lange den Wunsch nach einem Islay-Whisky, den wir auch als Eigenmarke vertreiben, aber das Problem war die Nachhaltigkeit. Es macht wenig Sinn, einen Whisky im Markt einzuführen, und bekommt in der Folge keinen Nachschub. Am Projekt Braon Peat haben wir sehr lange gearbeitet, fast zweieinhalb Jahre, bis wir jemanden fanden, der uns den Nachschub garantieren konnte. Die obligatorische Bedingung ist die „Nichtnennung des Destillennamens“. Hierin liegt auch der Unterschied zu vielen der anderen „No-Name-Islay-Malts“. Es sind keine zusammengekauften Fässer, sondern alle stammen vom vom ersten Batch 1 bis zum aktuellen Batch 5 aus ein und der gleichen Destille. So haben wir seit 2015 (Batch 1) immer 3 – 4 Fässer abgefüllt, einmal reine Bourbon Hogsheads oder Bourbon Hogsheads in Kombination mit Refill Sherry Hogsheads. Das aktuelle Batch 5 besteht aus 2 Refill Sherry Butts. Die Qualität und das Preis-Leistungsverhältnis sind etwas ganz besonderes. Nicht umsonst wird der Braon Peat in der Szene hoch gelobt, gewinnt beim C2C Cup in Deutschland in Folge Gold und darüber hinaus internationale Preise. So akribisch wir mit dem Braon Peat agieren sind wr auch bei unseren sonstigen Abfüllungen. Wir leben Whisky und deshalb sind wir von unseren Abfüllungen überzeugt.

Das meint die Maltkanzlei

Damit Ihr nicht nur meine Meinung zu den UAs bekommt, habe ich Dirk von der Maltkanzlei um seine Unterstützung gebeten. Dirk hat viele Abfüllungen von unabhängigen Abfüllern probieren können.

Dirk, was hältst Du von den Abfüllungen von The Whisky Warehouse No. 8?

Dirk: „WW8 ist für meinen ganz persönlichen Whiskygeschmack so ungewöhnlich wie kaum ein anderer unabhängiger Abfüller.  Erstmalig so wirklich aufmerksam geworden bin ich auf WW8 um  2015. Von der Papierform her sehr schöne Bunna Abfüllung. Ein Fünfundzwanzigjähriger, gebrannt 1989, mit einem Portweinfinish in einem einem kleinen Fass – ich meine mich zu erinnern, es war ein Firkin oder ein Quarter Cask. Leider hat mich auch hier der Bunna, von dem ich mir nach den Rahmendaten viel versprochen hatte, eher mäßig angesprochen. Das Finish wirkte unharmonisch und etwas aufgesetzt und vermochte das – wohl leider ebenfalls wenig überzeugende – Ausgangsprodukt für meinen Geschmack nicht wirklich zu verbessern. Ich habe zwischenzeitlich verschiedene weitere Malts des Abfüllers verkosten dürfen, Bowmore, Ledaig, Ben Nevis, um nur einige zu nennen. Zu guter Letzt einen Glenallachie 22yo, den ein Whiskyfreund bei einem Messebesuch für mich abgefüllt hat. Die Malts haben bislang, und ich kenne natürlich nur einen sehr bescheidenen Ausschnitt des Gesamtportfolios, alle eine Gemeinsamkeit, die sich wie ein roter Faden durchzieht, sie treffen nie so wirklich meinen Geschmack. Offensichtlich wählt man die Fässer hinsichtlich ihrer Charakeristika unter anderen Prämissen aus, als ich selbst wählen würde. Pech für mich, denn andere Genießer sind begeistert! Die Vielfalt der Aromen einerseits und der Geschmäcker andererseits sind es aber ja gerade, die mich am Malt als Hobby immer wieder auf’s Neue faszinieren. Mit den einen liegt man voll auf einer Linie, mit anderern eher weniger. Fast wie im richtigen Leben.

Slàinte aus der Maltkanzlei.

Vielen Dank Dirk für Deine Meinung!

Mein Fazit

Ich habe noch keine Abfüllungen von The Whisky Warehouse No. 8 probiert. Hier findet Ihr alle Artikel zu The Whisky Warehouse No. 8.

Den Hintergrundartikel und die Links zu den anderen Artikeln findet Ihr hier: Whisky-Wissen: Unabhängige Abfüller – was steckt dahinter und welche gibt es?.