Heidelberg Highlands im Profil

UA im Profil: Heidelberg Highlands

„Heidelberg Highlands?“ wird sich der ein oder andere fragen. Ging mir genau so, aber einer meiner Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht und ich habe Kontakt aufgenommen. Welche Abfüllungen gibt es von Heidelberg Highlands? Wie viele Fässer besitzt die Firma und wie kommt sie an diese? Mal sehen, was Simon Jakob verraten hat…

Zusammenfassung

Die Heidelberg Highlands GbR wurde 2013 mit der Idee gegründet „lasst uns mal ein Fass Whisky kaufen“. So etwas wie einen CEO repräsentiert dabei Simon Jakob, der mir auch meine Fragen beantwortet hat. Seit der Gründung hat sich in vier Jahren ein Unternehmen entwickelt, das im Jahr etwa zehn Veranstaltungen rund um den Whisky (Tastings u.a.) anbietet und aktuell 25 eigene Abfüllungen liefern kann. Und auch ein paar Fässer haben sich angesammelt, aber dazu später mehr.

Gesellschafter der Heidelberg Highlands GbR

Mitarbeiter hat das Unternehmen keine, aber es gibt mit Simon sieben Gesellschafter.

Adressen – real und virtuell

  • Adresse: Heidelberg Highlands GbR, Bergheimer Str. 49, 69115 Heidelberg
  • Webseite: heidelberg-highlands.de
  • Facebook: geschlossene Gruppe. Aufnahme nach Anfrage möglich

Marken und Ranges

Jeder UA hat eine oder mehrere Marken unter denen er seine Abfüllungen auf den Markt bringt.  Heidelberg Highlands vermarktet alle Abfüllungen unter ihrem Firmennamen. Die Nutzung dieses Namens wird von der SWA (Scotch Whisky Association) gestattet.

70cl, 50cl und 20cl

Simon, welche Abfüllungen stehen denn aktuell an?

Simon: „Wir füllen ausschließlich Scotch ab und diesen von allen Destillerien, von denen wir guten Whisky bekommen können. Sei es ein Auchentoshan, ein Bowmore, ein Fettercairn, Glenfarclas und wie sie alle heißen. Einfach unsere Homepage aufrufen und dort sind die aktuell verfügbaren Whiskys aufgeführt. Alle Abfüllungen werden ausschließlich in Fassstärke abgefüllt. Anfang 2017 kommt ein leicht rauchiger 8 jähriger Glenfarclas aus einem Sherry-Hogshead. Ein toller Whisky. Dieser wird unter der Voraussetzung, dass die Abfüllung noch rechtzeitig erfolgt der Messewhisky auf der Whisky Spring 2017 in Schwetzingen sein. Ebenfalls Anfang 2017 kommt ein 8 jähriger Islay Malt der in 2 1st fill PX-Octaves gefinished ist. Ein echter Traum. Aber auch ein sagenhafter 20 jähriger Burnside, ein 21 jähriger Tormore, ein 14 jähriger Glentauchers sind abfüllreif und ein echter Genuss.

Abgefüllt wird immer in Fassstärke (CS), ohne Kältefiltration (ncf) und ohne Farbe (nca).

Preise und Rahmenbedingungen der Abfüllungen

Altersrange Zwischen 5 und 25 Jahren.
Preise 56,90 – 249,90 EUR
Alkoholstärke Ausschließlich Cask Strength
Anzahl Destillerien Verschiedene Destillerien aus allen Regionen im Sortiment
Regionen Ausschließlich schottischer Whisky. Hier aber alle Regionen.
Abfüllungen / Jahr Pro Jahr gibt es planmäßig 10 – 12 Abfüllungen
Abfüllungen seit Gründung Stand 25.01.2017: 30 Abfüllungen seit Gründung 2013
Abfüllanlage und Wasser Schottland. Kein Wasser zum Verdünnen.

Fässer und Wood-Policy

Die Fässer von Heidelberg Highlands lagern in zwei Lagerhäusern (Speyside und Lowlands).

Simon, wie geschieht die Fassauswahl und wie viele Fässer habt ihr und wie lange reichen die?

Simon: „Die Fassauswahl und Steuerung, also die Wood Policy ist gerade mein/unser persönliches Steckenpferd. Wir haben so ganz massiven Einfluss auf das Endprodukt. Aktuell befinden sich 52 Fässer in verschiedenen Größen in unserem Bestand. Wenn wir ausschließlich aus diesem Bestand Whisky verkaufen würden, dann würde dieser nur etwa 6 Jahre ausreichen. Da wir aber ständig Whisky einkaufen, wenn wir etwas gutes finden werden wir deutlich länger liefern können.

Welche Fässer lagern denn da?

Simon: „Unsere Whiskys sind zwischen 0 und 25 Jahre alt. Wir besitzen dabei eine Vielzahl an verschieden Fassarten. 1st fill- Bourbonfässer / Refill- Bourbonfässer, / 1st Fill-Sherryfässer und Refill-Sherryfässer haben wir genauso im Lager, wie Rotweinfässer (Bordeaux, bzw. Barolo), Marsala und Port. Wir entscheiden dabei jeweils auf das individuelle Fass bezogen, wie es weiter geht und insbesondere ob ein Finish gemacht wird. Hierzu nutzen wir auch Octaves, oder andere kleinere Fässer um ein schnelleres Finish zu erreichen. Auch für die kommenden Jahre gibt es weitere Islay-Whiskys unterschiedlichen Alters und von unterschiedlichen Destillerien, Fässer von Tomatin, Glen Garioch, Glen Moray, Royal Brackla, Tullibardine u.s.w. Da verstecken sich noch einige Hochkaräter auf die wir alle gespannt sein können.

Was hat das mit dem Weinfass aus der Pfalz auf sich?

Simon: „Wir haben eine Kooperation mit dem Weingut Braun in der Pfalz, den Pfälzer Whiskyfreunden und uns. Wir haben insoweit ein besonderes 500 l Rotweinfass des Weingutes Braun in Schottland mit 3 jährigem Glenallachie befüllt, wobei der Glenallachie die ersten 3 Jahre in Sherry-Hogsheads gelagert war. Die Abfüllung ist für 2023 vorgesehen.

Wo bekommt Ihr Eure Fässer her?

Simon: „Wir erwerben Fässer direkt von Destillerien, aber auch von Brokern, oder anderen unabhängigen Abfüllern. Wir lassen aber auch Fässer, die wir z.B. in Deutschland erworben haben in Schottland mit New Make befüllen, oder nutzen diese zu einem Finish, oder für eine längerfristige Umlagerung. 1st-fill-Fässer zum Finishen erwerben wir auch bei unseren Geschäftspartnern in Schottland. Wir füllen auch New Make ab.

Auswahl und Tasting Panel

Viele UAs haben einen ausgewählten Personenkreis, der eine „ausgebildete Nase“ hat. In einem solchen Tasting Panel werden dann nach hauseigenen Spielregeln Whiskys ausgewählt und/oder beschrieben.

Simon, wie funktioniert das bei Euch?

Simon: „Je nach Lagerhaus erhalten wir von dem Einen automatisch  einmal im Jahr von allen unseren dort gelagerten Fässern eine Fassprobe. Aus dem anderen Lagerhaus erhalten wir Fassproben auf Abruf. Hier ist es meine Aufgabe die Fassproben abzurufen, bei denen das Alter, bzw. die Lagerart eine Überprüfung nahelegen. Die Proben werden dann zunächst von mir geprüft und der Reifegrad eingeschätzt. Ich erarbeite dann Vorschläge für die Whiskys, bei denen eine Abfüllung in Frage kommt. Hier kommen sofort abfüllen, weiter liegen lassen, oder auch ein Finish in Frage. Halte ich ein Finish für angebracht, dann schlage ich auch die Art des Finishes vor. Anschließend setzen wir uns alle 7 zusammen, probieren und treffen dann gemeinsam die Entscheidung, was mit dem jeweiligen Fass passiert.

Wir füllen unsere Whiskys immer in Fassstärke und ohne Kühlfilterung ab. Die Verdünnung soll und kann so jeder für sich selbst bestimmen. Das Alter des Whiskys ist bei uns nicht das Hauptkriterium für die Abfüllung. Wichtig ist uns, dass der Whisky die von uns erwarteten Vorgaben erfüllt und er die nötige Reife besitzt. Mit der Zielsetzung einen jungen rauchigen Islay-Whisky anzubieten, der aber gleichzeitig über viele süsse und fruchtige Aromen verfügt haben wir z.B. einen stark rauchigen Islay-Whisky in einem 1st fill Bourbon Fass gekauft und diesen dann noch in einem 1st fill Portweinfass gefinished. Das Ergebnis ist aus unserer Sicht ein zwar junger und kräftiger, aber trotzdem sensationeller Whisky.

Anzumerken ist in diesem Zusammenhang noch, dass wir nicht nur eigene Fässer abfüllen, sondern uns regelmäßig auch an Fassteilungen beteiligen, wenn das betreffende Fass unseren Qualitätsansprüchen genügt.

Ich habe auch noch Mal ausdrücklich nachgefragt, was mit einem Fass passiert, dass sich nicht so entwickelt, wie man es sich wünscht und der Whisky in dieser Form nicht abgefüllt werden kann.

Hier ist die Antwort von Simon: „Da die Produktionsqualität der schottischen Destillerien in den letzten 25 Jahren als wirklich sehr gut bezeichnet werden kann haben wir kein Fass, das unsere Qualitätsstandards nicht erreicht. Es gibt höchstens Fässer, die die gewünschte Aromenmenge nicht mehr ausbilden. Diese Fässer werden dann mit wirklich tollen Ergebnissen gefinished. Hier liegt eine unserer Stärken. Im Ergebnis können wir jede unserer Abfüllungen empfehlen. Sollte es sich aber ergeben, dass sich ein Fass so entwickelt, dass dieses nicht mehr empfohlen werden kann, dann werden wir dieses Fass sicher nicht unter Heidelberg Highlands abfüllen.

Besonderheiten

Hier ist nun der Platz, an dem sich der UA selber ins beste Licht rücken darf.

Simon, was macht Heidelberg Highlands so besonders? 

Simon: „Wir setzen uns selbst sehr hohe Qualitätsmaßstäbe und halten diese ein. Das gilt sowohl für unsere Veranstaltungen, als auch für unseren Whisky. Wir füllen keine Fässer ab, weil wir dies aus wirtschaftlichen Gründen müssen, sondern nur, wenn wir die Abfüllung für richtig halten. Heidelberg Highlands ist für uns Nebenerwerb, aber nicht Hauptberuf. Wir alle 7 verdienen in anderen Berufen unser Geld und können es uns deswegen aus unserer Sicht leisten die Standards etwas höher zu hängen, als dies einige Konkurrenten tun.

Empfehlung von Heidelberg Highlands

Auf die Frage, welche Flasche aus dem aktuellen Sortiment besonders zu empfehlen ist, antwortete mir Simon: „Als Whiskyliebhaber kann ich keine generelle Empfehlung geben, denn jeder Whisky ist anders und jeder Geschmack ist anders. Um eine fundierte Empfehlung geben zu können müsste ich etwas mehr über Deine persönlichen Vorlieben wissen. Aus meiner Sicht sind unser 18 jähriger Fettercairn aus einem Bourbon Hogshead (Waldhonig- und Heidekrautaromen) genau so uneingeschränkt zu empfehlen, wie unser 25 jähriger Glen Grant aus einem Sherry Hogshead (Sherryaromen, Rosinen, Mirabellen, Nüsse) und der gerade frisch eingtroffene Bowmore aus einem Bourbon Barrel. (Lagerfeuerrauch und die für Bowmore in Bourbonfässern typischen Grapefruitaromen sind hier sehr schön ausgebildet) Und alle 3 bieten noch viele Nuancen mehr. Es ist für uns selbstverständlich, dass wir unseren Kunden die Möglichkeit gewähren unsere Whiskys auch zu probieren, bevor diese eine Flasche kaufen. Sei es auf einer unserer Veranstaltungen, am Firmensitz nach vorheriger Terminabsprache, oder durch Übersendung einer Probe.

Simon, warum sollte ich eine Eurer Abfüllungen kaufen?

Simon: „Ganz einfach: weil wir sensationelle Whiskys anbieten.

Das meint die Maltkanzlei

Damit Ihr nicht nur meine Meinung zu den UAs bekommt, habe ich Dirk von der Maltkanzlei um seine Unterstützung gebeten. Dirk hat viele Abfüllungen von unabhängigen Abfüllern probieren können.

Dirk, was hältst Du von den Abfüllungen von Heidelberg Highlands?

Dirk: „Die Heidelberg Highlands sind mir erst im Zusammenhang mit der Premiere der Whisky Spring im Jahre 2015 bewusst ins Auge gefallen. Dabei sind ihre Abfüllungen mit der kleinen, blauen Darstellung des Heidelberger Schlosses an sich schon von Weitem gut zu erkennen. Aber wie das nunmal so ist, wenn sich ein paar Gleichgesinnte zusammenschließen, um Whiskyfässer zu erwerben, abzufüllen und zu genießen. Zunächst geht einiges an das unmittelbare Umfeld, und das Übriggebliebene findet seine Abnehmer dann meist ebenfalls in der Region. So entstehen Local Heroes. Das grundlegende Konzept ist klar. Fasstarke Single Malts ohne Schnickschnack. Erstmal genau mein Ding. Ebenfalls gut gefällt mir, dass man sich nicht nur auf junge, günstig erhältliche Whiskys konzentriert, sondern durchaus auch den Mut hat, länger gereifte Fässer auszuwählen und anzubieten. Da mehr Kapital erforderlich und das wirtschaftliche Risiko damit höher ist, ist das längst nicht selbstverständlich. Wieviele verschiedene Whiskys die Heidelberg Highlands bislang auf den Markt gebracht haben, weiß ich nicht genau. Ich selbst jedenfalls hatte bislang Gelegenheit, acht verschiedene der Abfüllungen zu probieren. Vielleicht waren die Stars der bisherigen Fässer nicht darunter, oder ich liege geschmacklich mit den Leuten, die die Whiskys auswählen, schlicht nicht so ganz 100%ig auf einer Linie, was ja beides durchaus sein kann. Jedenfalls hatte ich bislang leider noch keinen Überflieger, der mich so richtig umgehauen hätte. Dafür aber verschiedene, sehr gelungene Malts, die ihren Preis durchaus wert waren. Zu nennen wären hier insbesondere der 2015er Port Charlotte aus dem Gran Callejo Fass sowie der sehr fruchtig-frische, 1990er Linkwood aus dem Bourbon Hogshead. Interessant fand ich übrigens auch die diesjährige Whisky Spring Messeabfüllung. Endlich mal wieder ein unabhängig abgefüllter Glenfarclas, bei dem auch draufsteht, was drin ist, noch dazu mit satten 64.4% ABV.

Slàinte aus der Maltkanzlei.

Vielen Dank Dirk für Deine Meinung!

Mein Fazit

Bisher habe ich in der näheren Umgebung noch keine Abfüllungen der Heidelberg Highlands entdeckt. Weder auf Messen noch in Whiskyshops. Das liegt wohl daran, dass es local Heroes sind, wie Dirk so schön schreibt, und die Abfüllungen nur auf Messen, Tastings oder Online (per Mail) verkauft werden. Ich habe noch keine der Abfüllungen von Heidelberg Highlands probiert. Mir gefällt aber nicht nur das Selbstbewusstsein von Simon sondern auch die Möglichkeit den Whisky vor Kauf einer Flasche zu probieren. Ich werde mich mal umschauen.

Hier findet Ihr alle Artikel zu Heidelberg Highlands.

Den Hintergrundartikel und die Links zu den anderen Artikeln findet Ihr hier: Whisky-Wissen: Unabhängige Abfüller – was steckt dahinter und welche gibt es?

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