UA im Profil: Douglas Laing

Welche Abfüllungen gibt es von Douglas Laing? Wie viele Fässer besitzt die Firma und wie kommt sie an diese? Mal sehen, was Douglas Laing verraten hat…

Zusammenfassung

Die Firma Douglas Laing & Co wurde 1948 von Fred Douglas Laing (FDL) gegründet. Aktueller Managing Director ist sein Sohn Fred Hamilton Laing (seit 1972 in der Firma, „Fred jr.“). Und auch die dritte Generation ist mit Cara Laing seit 2013 bereits in der Firma vertreten.

Das Unternehmensziel ist sehr kundenfreundlich: „our goal is to continually exceed the expectations of our customers and consumers around the world by offering the most special, quality-driven and unique Scotch Whisky experience„. (Quelle: Webseite)

Auf der Webseite kann der interessierte Leser über einige der Mitarbeiter ein wenig mehr erfahren. Alle 20 Mitarbeiter werden auf der Webseite genannt plus Cooper (Hund und Wappentier zugleich). Die Bereiche sind Sales and Marketing, Finance, Production und Shipping and Logistics.

Fred jr. beim Tasting
Fred jr. beim Tasting

Fred jr. (geb. 1950) sollte nach dem Willen seines Vaters seine ersten Fehler in einem anderen Unternehmen machen und so begann er seine Karriere bei Whyte & Mackay, dann bei White Horse Distillers bevor er 1972 ins Familiengeschäft einstieg. Cara hat Ihre Whisky-Reise ebenfalls bei Whyte & Mackay begonnen – als Brand Manager für Jura. Weiter ging es dann für eine Lehrzeit zu Morrison Bowmore Distillers mit den Marken Bowmore und Glen Garioch. Seit 2013 ist sie Director of Whisky bei Douglas Laing. Cara’s Ehemann Chris Leggat ist ebenfalls 2013 zu Douglas Laing gekommen und dort als Commercial Director tätig. Stationen seiner Karriere waren Restaurantmanager bei „The Rogano“, Brand Ambassador bei Tennents, Sales Manager bei Cellar Trends  und Regional Sales Manager für den europäischen Markt bei Morrison Bowmore Distillers. Chris und Cara sind das erste britische Ehepaar mit der Auszeichnung Keepers of the Quaich und zwei der jüngsten Keepers.

Die Person, die Ihr auch in Deutschland (oder irgendwo sonst auf der Welt) häufiger antreffen könnt ist Jan Beckers. Seine Whiskyreise begann bereits mit 16. Jan war für sechs Sommer Tourguide bei Glenfiddich bevor er seinen Traumjob als Global Brand Ambassador bei Douglas Laing 2008 antrat.

Adressen – real und virtuell

Marken und Ranges

Jeder UA hat eine oder mehrere Marken unter denen er seine Abfüllungen auf den Markt bringt.  Douglas Laing hat aktuell vier davon und deshalb versuche ich die Unterschiede ein wenig herauszuarbeiten.

Single Malt (und Grain) Whiskies werden unter dem Schirm Exceptional Single Casks abgefüllt. Alle ohne Kältefiltration und alle ohne Zusatz von Zuckerkulör.

  • Provenance
    Von 5 – 14yo, Single Cask, abgefüllt mit 46%
  • Old Particular (OP)
    Von 10 – 25yo, Single Cask, abgefüllt mit 48.4%, 51,5% und Cask Strength (Fassstärke)
  • eXtra Old Particular (XOP)
    21yo und älter, spezielle Destillerien, Single Cask, immer in Cask Strength (Fassstärke)
  • Premier Barrel
    Single Cask mit 46% ohne Kältefiltration und mit natürlicher Farbe. Hauptmarkt für diese Marke ist Zentral- und Osteuropa. Hier wird Wert auf aufwendige Verpackung und die Keramikflasche gelegt.

Alte Ranges und Marken

  • Director’s Cut
    Gab es ab 2011. Aber es gab Trademarks für den fernen Osten und Australien. Und auch Francis Ford Coppola hatte einen Wein mit dem selben Namen herausgebracht (somit auch in den USA nicht zu verkaufen). Für diese Märkte wurden die Fässer dann in eine Schwestermarke verteilt: Executive Decision. Auf die Dauer war dies sehr aufwendig und so entstand XOP (eXtra Old Particular) 2014 als Nachfolger für diese beiden Marken.
  • OMC / Platinum
    Es gibt einige Marken, die früher unter Douglas Laing vermarktet wurden. Diese stelle ich bei einem anderen Profil vor. Dazu gehören Old Malt Cask (OMC) und Platinum (jetzt Old & Rare).

Neben diesen Single Malts bringt Douglas Laing eine ganze Reihe von sehr ausgewählten Blended Malts und Blended Whisky und Grain Whisky auf den Markt. Ein seltenes Mitglied durfte ich probieren: Tasting: Timorous Beastie 40yo.

Preise und Rahmenbedingungen der Abfüllungen

Altersrange5yo – 25yo und ausgewählte Sonderabfüllungen (XOP)
PreiseJe nach Alter, Reife und Verfügbarkeit
Alkoholstärke46% – Cask Strength; sehr ungewöhnlich sind für mich die Stärken 48.4% und 51.5%
Anzahl DestillerienDie Destillerien sind über ganz Schottland verteilt
RegionenCampbeltown, Lowland, Islay, Speyside, Highlands & Islands
Abfüllungen / Jahr Pro Monat werden ca. 10 neue Abfüllungen präsentiert (d.h. ca. 120 pro Jahr)
Abfüllungen seit GründungSeit der Gründung gab es verschiedene Abfüllungen als „King of Scots“. In den späten 90igern startete Douglas Laing dann reifen Lagerbestand als Single Cask, Single Malt oder Single Grain abzufüllen. 2013 wurde die 1000.te Abfüllung von Provenance gefeiert.
Abfüllanlage und Wasser Es gibt mehrere unterschiedliche Partner für die Abfüllung. Zur Verdünnung wird filtriertes und demineralisiertes Wasser verwendet.

Fässer und Wood-Policy

Douglas Laing besitzt keine eigenen Lagerhäuser. Die Zahl der Fässer bleibt geheim. Aber, man investiert laufend in Lagerbestand für die Zukunft. Der Hauptanteil der Neuanschaffungen wird über „filling programs“ abgewickelt, d.h. mit verschiedenen Destillerien gibt es Verträge New Make abzufüllen. Manchmal werden auch gereifte Whiskies von Brokern oder durch Tausch erworben.

Auch die Fasstypen sind sehr unterschiedlich genauso wie die Destillerien. Der Hauptanteil geht an Refill Hogsheads, aber auch Sherryfässer und Weinfässer (für Finishings) werden genutzt. Meist werden mit dem Filling Program auch gleich die Fässer von der Destillerie gestellt, aber manche Destillerien fordern Fässer von Douglas Laing. Ist dies der Fall, werden die Fässer direkt aus Jerez (für Sherry Butts) oder von der Speyside Cooperage (für Bourbon Barrels) besorgt.

Gelagert werden die Fässer entweder bei der abfüllenden Destillerie oder die Destillerie lagert diese in anderen Zolllagern ein. Die Fässer reifen in der Regel in der Gegend, in der sie auch gefüllt wurden.

Auswahl und Tasting Panel

Viele UAs haben einen ausgewählten Personenkreis, der eine „ausgebildete Nase“ hat. In einem solchen Tasting Panel werden dann nach hauseigenen Spielregeln Whiskys ausgewählt und/oder beschrieben.

Bei Douglas Laing sind für die Auswahl folgende vier Personen zuständig:

  • Fred Laing
  • Cara Laing
  • Chris Leggat und
  • Jan Beckers

Die neuen Abfüllungen werden in der Regel nach kaufmännischen Anforderungen ausgewählt, d.h. wenn bestimmte Flaschen ausverkauft sind. Aber entscheidend bei der Auswahl ist der Stil, Charakter und die Qualität des Whiskys insgesamt.

Ich habe auch noch Mal ausdrücklich nachgefragt, was mit einem Fass passiert, dass sich nicht so entwickelt, wie man es sich wünscht und der Whisky in dieser Form nicht abgefüllt werden kann.

Hier ist die Antwort von Jan Beckers: A Whisky can mature for a longer period of time. If the cask didn’t improve the quality of the Whisky, the spirit can be transferred to another cask (to finish or to continue its maturation). The Whisky can also be mixed with other casks for a blended malt or a blend.

Was macht für Dich den Reiz aus, in einem Tasting Panel zu sitzen?

Jan: „It is fun to sample some of the more famous distilleries like Laphroaig, Macallan, Highland Park, Port Ellen… in expressions that are very different from the original bottlings, but for me it is even more interesting when you are able to try and share more obscure distilleries like Garnheath, Aultmore, Glentauchers… that you rarely find in an official bottling and when matured well offer very interesting drams.

Besonderheiten

Hier ist nun der Platz, an dem sich der UA selber ins beste Licht rücken darf. Jan, was macht Douglas Laing so besonders? 

Jan: „As a family owned business working in the Scotch Whisky industry for nearly 70 years, Douglas Laing has access to a great variety of Whiskies, stock that have been nurtured by us through time or that we managed to acquire through our friends in the world of Scotch Whisky. All of the Single Cask bottling are bottled without chill filtration and at natural colour. Casks for Single Cask bottlings will be hand picked and bottled in such a way that is as close to sampling a cask in the warehouse that the general consumer can experience. In our bottlings, you are getting as close as you can get to sampling a Whisky direct from the cask in a cold warehouse (and if you have the chance to actually do that, take it). In our long history we managed to build up stocks from many distilleries (some of them closed over time) and can offer you the Whisky as natural as possible. Sometimes that might be a wild young 7yo Caol Ila or a sweet old Single Grain or a mouth coatingly spicy beast that has matured in a Sherry cask for decades. So besides the quality of the spirit that we release it is also the diversity of flavours and character that attracts people to our Whisky.

Empfehlung von Douglas Laing

Auf die Frage, welche Flasche aus dem aktuellen Sortiment besonders zu empfehlen ist, antwortete mir Jan: „This is the “What is the best Whisky?” question, which I generally answer with “Come and try some and make up your own mind.” But for me personally, as a drinking dram I generally go Bourbon matured Speyside or Highland. But if you’re looking for something special to end the evening, I might go for a rich Sherry cask or an older Islay Malt, although the Single Grain Whiskies can be fantastic as a dessert.

Das meint die Maltkanzlei

Damit Ihr nicht nur meine Meinung zu den UAs bekommt, habe ich Dirk von der Maltkanzlei um seine Unterstützung gebeten. Dirk hat viele Abfüllungen von unabhängigen Abfüllern probieren können.

Dirk, was hältst Du von den Abfüllungen von Douglas Laing?

Dirk: „Der erste Kontakt zu Douglas Laing? Da muss ich nicht lange überlegen. Ich erinnere mich noch bestens, als Douglas Laing vor gut 17 Jahren zum goldenen Firmenjubiläum mit den ersten Malts im Markt erschien. Durchaus edel gemacht, mit einem kleineren, goldenen Frontlabel oberhalb des eigentlichen Flaschenlabels und dazu eine unpraktische, beschädigungsanfällige, sechseckige Verpackung, wie wir sie als Zeichen der ‚Old Malt Cask‘ Reihe auch heute noch kennen, auch wenn die Serie selbst mittlerweile längst nicht mehr zu Douglas Laing sondern zu Hunter Laing gehört, aber so ist das halt mit den Erinnerungen. Von den aktuellen Douglas Laing Abfüllungen stechen natürlich, von den Rahmendaten her, die XOPs besonders hervor, speziell die Caol Ila reizen mich, allerdings bin ich bislang vor den aufgerufenen Preisen doch immer zurückgeschreckt, da ich die Malts ja genießen und nicht sammeln möchte. Und die „regulären“ Old Particulars? Da habe ich einen durchweg positiven Eindruck, auch wenn einzelne eher durchschnittliche Fässer ebenfalls den Weg in die Flasche gefunden zu haben scheinen, aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel. Gut gelungen finde ich insbesondere die Idee eigener Feis Ile Festival Abfüllungen, die DL seit 2015 etabliert hat. Sowohl den 2015er Laphroaig, mit dem man die „Reihe“ begann, als auch den letztjährigen Bowmore habe ich als sehr typische Vertreter ihrer jeweiligen Brennereien empfunden. So soll es sein!

Slàinte aus der Maltkanzlei.

Vielen Dank Dirk für Deine Meinung!

Mein Fazit

Ich habe schon unterschiedliche Abfüllungen von Douglas Laing probieren dürfen. Auch von Douglas Laing habe bisher nur Flaschen gekauft oder probiert, die qualitativ hochwertig waren. Die junge Provenance Serie ist gut trinkbar, aber mir gefallen die OP und vor allem die XOP Abfüllungen besser. Auf deutschen Messen findet Ihr die Abfüllungen beim Bremer Spirituosen Contor und wenn Ihr Glück habt findet Ihr hinter dem Stand neben Timo Lambrecht auch Jan Beckers. Meine aktuelle Lieblingsflasche ist der OP Glenburgie, 21yo, 1992/2013 (DL10036) von dem es nur 221 Flaschen gab. Leider.

Von mir bekommt Douglas Laing eine klare Empfehlung! Hier findet Ihr alle Artikel zu Douglas Laing.

Den Hintergrundartikel und die Links zu den anderen Artikeln findet Ihr hier: Whisky-Wissen: Unabhängige Abfüller – was steckt dahinter und welche gibt es?.