Tasting: Port Charlotte PC 10 – alt gegen neu

Ihr habt sie bestimmt schon gesehen, die grünen „Medizinflaschen“ in die Bruichladdich die neuen Port Charlotte Abfüllungen auf den Markt bringt, oder? Ich habe noch einen „Vorgänger“ im Schrank und vergleiche die beiden mit einem „Scottish Barley“. Unterscheiden sich die drei und wie schlagen sie sich im Vergleich?

  • Port Charlotte, Scottish Barley, 2017, Multi-Vintage-Cuvée, 50%, 40 ppm, WB 113046
  • Port Charlotte, 10yo, 50%, 2016, 2nd limited Edition, 18.000 Flaschen, 40 ppm, WB 86883
  • Port Charlotte, 10yo, 50%, 2018, Heavily Peated, 40 ppm, WB 112320

Alle diese Abfüllungen sind ncf (= no chill-filtration; keine Kältefiltration) und nca (= no color added; ohne Zusatz von Zuckerkulör).

Warum die drei?

Der Scottish Barley wird vom PC 10 (2018) abgelöst. Und die 2nd Edition ist ein (limitierter) Vorgänger zum jetzt dauerhaft verfügbaren PC 10. Wie schlägt er sich also im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern?

Wer noch mehr Details haben möchte findet die hier oder in dem Auszug aus der Pressemitteilung: „Ehemals nur in stark limitierter Auflage verfügbar, kehrt er nun als dauerhafte „Age-Statement-Qualität“ ins Stammsortiment der Brennerei zurück und ersetzt somit langfristig die aktuelle Multi-Vintage-Cuvée Port Charlotte Scottish Barley. Port Charlotte 10 wird aus 100% schottischer Gerste gebrannt…

Die drei haben einige gleiche Rahmenparameter: gleiche Destillerie, gleicher PPM-Anteil (parts per million von Torf im Malz gemessen) und gleiche Alkoholstärke. Worin unterscheiden sie sich dann? In den Rezepturen.

Die Rezepturen

Bruichladdich veröffentlicht von den meisten Abfüllungen die Rezeptur. Falls Ihr wissen wollt, welche Fässer zu Eurem Whisky vermählt wurden, dann könnt Ihr das mit der Nummer auf der Flasche nachsehen. Gebt diese (z.B. 17/203) in das Feld „Recipe“ auf der Produktseite ein.

  • Scottish Barley (SB) – Batch 17/203: Produktseite & RezeptSo wird er hergestellt
  • PC 10, 2016 – Batch 16/247: Produktseite (kein Rezept)
    Full term in first-fill bourbon, sherry, tempranillo and French wine casks. Bottled at 50% alc. vol. using Islay Spring water. Heavily peated Islay Single malt – 40ppm. 18,000 individually numbered bottles only.
  • PC 10, 2018 – Batch 18/166: Produktseite (kein Rezept)
    This release will become our flagship Port Charlotte. Heavily peated to 40ppm, it has spent its life in first fill American whiskey casks (65%), second fill American whiskey casks (10%) and second fill French wine casks (25%).

Hier erfahrt Ihr u.a., dass der jüngste Anteil des SB aus 2010 ist und somit der Whisky maximal 7 Jahre (vermutlich 6) sein kann. Aber auch welche älteren Fässer der Rezeptur hinzugefügt wurden und welche verschiedenen Fassarten zum Einsatz kamen. Zu viele Informationen? Dann probiert einfach und entscheidet Euch für den, der am Besten gefällt. Mache ich auch so.

Tasting Notes

Scottish Barley

  • Nase: Neben dem Rauch erreicht süßer Malzgeruch meine Nase. Dazwischen Jod und Salz. Nüsse und Toffee mit Vanille.
  • Geschmack: Erst ein wenig Prickeln auf der Zunge. Rauch und mit der Zeit entwickelt sich Süße.
  • Abgang: Malzig und fruchtig. Der Torf ist präsent und der Abgang geht über zu leichter Trockenheit.

PC10 – 2nd/2016

  • Nase: Auch hier habe ich den Rauch, aber die anderen Aromen sind weniger süß. Der hat länger gebraucht, um hinter dem Rauch in Erscheinung zu treten. Es blitzen reife Früchte (Rosinen, Pflaumen, Feigen) zwischen den salzigen Aromen wie man sie vom Meer kennt. Mir kommt der Rauch präsenter vor.
  • Geschmack: Hier habe ich mehr Frucht. Mehr Sherry. 
  • Abgang: Frucht und Sherry gehen über zu Menthol.

PC10 – 2018 (Heavily Peated)

  • Nase: Rauch, Asche und leicht medizinisch. Ich habe ein wenig Leukoplast in der Nase. Der Rauch ist noch ein wenig satter eingebunden. Die Bourbonfässer blitzen mit Süße und Vanille durch. Ein wenig Marzipan.
  • Geschmack: Der Antritt auf der Zunge ist kräftiger. Blind hätte ich den als jünger oder kräftiger (Alkoholgehalt) eingeschätzt. Ist er aber nicht. Wird ölig im Mund. Malzig. Toffee. Schokolade.
  • Abgang: Malzig, rauchig und ein wenig vom Menthol

Fazit

Alle drei sind schön rauchig, ölig, bringen eine Prise Meer mit und rufen nach mehr (Whisky). Ich mag Port Charlotte und die gefallen mir alle drei. Sie sind unterschiedlich, haben aber den gleichen Grundcharakter. Die unterschiedlichen Fässer kitzeln ein wenig andere Aromen hervor. Die beiden PC10 sind am Anfang ein wenig „steril“ an der Nase und der SB öffnet sich schneller. Der alte PC10 hat einen merklichen Sherryanteil, aber beim neuen kommt mehr Bourbonfass durch. So muss wohl jeder selbst entscheiden, welchen er am liebsten mag. Der SB ist noch erhältlich und auch die alte Ausgabe kann man noch bekommen. Da es den neuen aber jetzt dauerhaft geben wird, brauche ich keine Hamsterkäufe mehr zu machen und werde den nehmen.

Einige haben sich in den sozialen Medien über das neue Flaschendesign ausgelassen. Mit gefällt es mit dem satten grün und den erhabenen Buchstaben. Aber ein wenig Kritik gibt es auch von mir: das Dosieren war mit der alten Flasche leichter und den Plastiküberzieher habe ich deutlich schwerer aufbekommen als die alten Kapseln. Verzichtet doch gerne auf Plastik. Mit der neuen Flaschenform übe ich noch ein wenig beim Einschenken, dann schütte ich auch nicht mehr so viel daneben. Der Inhalt ist auf jeden Fall mein Fall. Gut gemacht!

Danke an Bruichladdich für die Probe vom Scottish Barley und dem neuen PC 10!