Glenlivet Livet – das etwas andere Tasting

Der Glenlivet Livet ist eine Sonderabfüllung für den deutschen Markt. Abgefüllt Ende Februar kam diese im März auf den deutschen Markt. Probieren konnte ich diesen nur im „Vorbeigehen“ auf der Finest Spirits, denn dort wurde er vorgestellt. Warum ich den Livet noch mal zum Thema mache und auch noch meine Tastingnotes veröffentliche?

Cathrin aus Köln, eine treue Leserin meines Blogs, hat mich darum gebeten und mir eine Probe vom Livet zur Verfügung gestellt. Unabhängige Tasting Notes hatte sie im Vorfeld nicht gefunden und hat sich so über den Kauf von Sample-Flaschen an den Livet „herangetastet“.

Wir haben uns zum „gemeinsamen“ Tasting-Experiment verabredet und ich werde hier unser aller Notes veröffentlichen. Cathrin hat mit Ihren Freunden letztes Wochenende vorgelegt und jetzt bin ich dran.

The Glenlivet, Single Cask Edition „Livet“, 14 Jahre, ca. 450 Flaschen, 59.4%, ab 250.- EUR (UVP 279.-)

Hier findet Ihr die veröffentlichte Pressemitteilung.

Original Tasting Notes

  • Aroma: Vordergründige Aromen reifer Pfirsiche und cremiger Vanille umschmeicheln die Sinne, während im Hintergrund eine angenehme Note leicht würziger Orangenmarmelade mitschwingt.
  • Geschmack: Pfirsich und Birne, neben unterschwelligen Noten von weicher Lakritze im Hintergrund.
  • Abgang: Langanhaltend und leicht würzig.

Cathrin & Friends

Cathrin hat den Livet mit ihren Freunden Peter, Margit und Uwe probiert und alle sind begeistert.

Ohne Wasser

  • Aroma: Deutlicher Alkoholgehalt. Karamell, Creme Brulee, kandierter Zucker. Armagnac Pflaumen. Bei Handwärme deutliche Vanillenoten und ein wenig Lederduft.
  • Geschmack: Würzig und deutliche Schärfe im vorderen Bereich der Zunge.
  • Abgang: Pfefferig, trotzdem mild im Abgang. Dunkle Früchte und deutlich süßer Beiklang.

Mit Wasser auf ca. 45% verdünnt

  • Aroma: Viele Aromen sind jetzt nicht mehr so deutlich spürbar, insgesamt flacher, aber weiterhin sehr fruchtig. Die genauen Fruchtaromen waren aber nicht mehr erkennbar.
  • Geschmack: Sehr mild, keine Schärfe mehr spürbar. Marzipan und Marillen.
  • Abgang: Sehr, sehr angenehm.

Fazit

Cathrin: „Ein sehr komplexer Whisky, der unverdünnt ein echtes Highlight für die Nase darstellt. Es ist ein Genuss ca. 20-30 Minuten nur an dem Dram zu riechen und dabei gute Gespräche zu führen und sich immer wieder über die Aromen zu freuen„. Cathrin ist mit dem Preis für dieses „Aromenfeuerwerk“ einverstanden und hat sich noch eine zweite Flasche für den Winter gekauft.

Meine Tasting Notes

Im Gegensatz zu Cathrin verdünne ich auch Fassstärken nicht auf Trinkstärke herab. Das ist wie immer bei dem Thema Geschmacksache. Ich gebe nach einer ersten Runde „pur“ ein paar Tropfen Wasser in meinen Whisky. Gebe ihm wieder Zeit, sich weiter zu entwickeln. Ein wenig Handwärme. Schwenke das abgedeckte Glas und rieche immer wieder. Das wiederhole ich einige Male. Wie Cathrin lasse ich mir viel Zeit dabei. Bei Fassstärken verwende ich gerne mein Riedelglas (Vinum, Wein Tastingglas). Das hat eine sehr große Oberfläche und durch das Rollen verflüchtigt sich der Alkohol und die Aromen kommen sukzessive zum Vorschein. Ich lasse den Whisky lange im Mund und umspüle die Zunge von oben und unten.

Ohne Wasser

  • Aroma: Leichte Holznoten, Vanille, Karamell und Creme Brulee sind hinter der Alkoholnote wahrnehmbar. Nach ein wenig Zeit und Umdrehungen im Glas kommen die fruchtigen Noten (Sherry) in den Vordergrund. Marille und Pfirsich gepaart mit der Birne. Der Birnenduft schlägt um in Litschi.
  • Geschmack: Zurückhaltender Sherry. Fruchtig. Pfirsich.
  • Abgang: Leichte Würze und ein wenig Datteln.

Mit Wasser (wenige Tropfen)

  • Aroma: Die Litschi vermischt sich mit der süßen Creme Brulee.
  • Geschmack: Immer noch kräftiger Antritt auf der Zunge. Die Frucht geht über in nussige Aromen.
  • Abgang: Ein Birne-Traubengemisch und ein wenig trockene Eiche.

Fazit

Für fast 60% finde ich den Livet sehr mild und rund. Dass es sich dabei um ein sehr spezielles Fass handelt, wird schnell klar. Die süßen, vanilligen Noten bleiben lange erhalten. Ein wirklich gelungener Single Malt und eine sehr besondere Flasche.

Gibt es Vergleichbares?

Der Livet ist eine „Single Cask“ Abfüllung, d.h. es handelt sich um ein einzelnes Fass, das abgefüllt wurde. Selbst Whisky aus einem Fass, das zur selben Zeit abgefüllt wurde und die ganze Zeit im Lager nebenan lag, kann nur ähnlich schmecken, muss es aber nicht.

Aber es gibt andere komplexe Abfüllungen von Glenlivet

  • The Glenlivet Guardians Chapter
    Unter anderem gab es 2014 eine Spezialabfüllung Glenlivet Guardians: 48.7%, ohne Altersangabe, non-chill-filtered aber mit Zuckerkulör. Preis: ca. 80.- EUR. Hier steckt mehr Schokolade drin. Exotische Aromen. Vermutlich ausverkauft.
  • The Glenlivet Nadurra
    Zu dem bisherigen 16-jährigen Nadurra aus erstbefüllten amerikanischen Eichenfässern kam letztes Jahr auch eine Sherry-Fass-Abfüllung dazu. Ich mag den „ursprünglichen“ am Liebsten. Beide Varianten werden in Fassstärke abgefüllt. Preis 55.- bzw. 60.- EUR.

Glenlivet ist mit seinen Standardabfüllung bemüht sanfte und weiche Whiskys mit 40-43% auf den Markt zu bringen. Den 12-jährigen hat man aus dem Programm genommen und mit dem Founders Reserve ersetzt. Sucht man nach einem komplexen Glenlivet kann ich jedem den Nadurra empfehlen. Von dem 16-jährigen aus dem first-fill amerikanischem Eichenfass kann man sich fünf Flaschen zum Preis eines Livet kaufen. Und man bekommt diesen (noch) regelmäßig zu kaufen.

Danke Cathrin für die Probe des Livet und dieses gemeinsame Experiment!