Bretonischer Whisky: Armorik bei HanseMalt

Diese Woche war Armorik auf Deutschlandtour und ich durfte bei HanseMalt in Schenefeld mit dabei sein. Ich bin überzeugter Liebhaber schottischer Single Malt Whiskys, probiere aber immer wieder gerne auch andere Whiskys. Armorik hat mich darin bestätigt, auch weiterhin über den Tellerrand zu schauen.

Armorik heißt der „Single Malt de Bretagne“ von der französischen Warenghem Distillerie. Der Blend aus dem selben Haus nennt sich Breizh. Die erste Überraschung erlebe ich bereits beim Begrüßungsschluck: helles oder dunkles Diwall. Das Bier wird mit 6% ebenfalls bei Warenghem hergestellt und heißt übersetzt „sei vorsichtig“ erklärt uns Clémence Vedrenne in fließendem deutsch. Clémence ist die Shopmanagerin und stellt ihre Whiskys dem deutschen Publikum vor.

Goldene Stimmung

Bereits 1998 hat Warenghem den ersten bretonischen Whisky auf den Markt gebracht. Seit diesem Jahr ist „bretonischer Whisky“ auch eine Bezeichnung mit Gebietsschutz. Gegründet wurde Warenghem 1900. Heute arbeiten dort 17 Mitarbeiter und verkaufen pro Jahr ca. 600.000 Flaschen (davon 250.000 Flaschen Whisky). Fünfzehn Prozent der Produktion gehen ins Ausland und Deutschland ist dabei einer der Hauptmärkte.

LineUp

LineUp im Glas

Vor uns stehen acht Gläser. Das ist allerhand, aber ich habe zum Glück Fläschchen, in die ich wieder abfüllen kann. Gleich das erste Glas ist die nächste Überraschung: ein New Make. New Make ist „Rohbrand“, d.h. nach der Destillation noch nicht gelagerter Alkohol.

  1. New Make, 74.4%
  2. Breizh, Pure Pot Still Blend, 42%, ca. 25.- EUR
  3. Armorik „Classic“, 46%, ca. 30.- EUR
  4. Armorik “Breton Oak”, 2005/2014, Single Cask, 54.6%, ca. 68.- EUR
  5. Armorik “Double Maturation”, 46%, ca. 36.- EUR
  6. Armorik „Maitre du Chai“, 46%, ca. 49.- EUR
  7. Armorik Port, Single Cask, 55.2%, ca. 75.- EUR
  8. Armorik Millesime, Sherry cask, 55.5%, ca. 69.- EUR

Alle Armorik werden ohne Kältefiltration (no chill-filtration) und ohne Zusatz von Zuckerkulör abgefüllt. Letzteres steht leider nicht auf den Flaschen.

Clémence Vedrenne
Clémence und Dietmar Schulz von Alba Import erzählen uns nicht nur über die Whiskys sondern auch über die Destillerie und wie Alba und Warenghem ihre Zusammenarbeit begonnen haben. Eine Schönheit ist Destillerie nicht, die wir nebenbei auf Bildern vorgestellt bekommen. In den 70igern ist die Destillerie aus dem Zentrum Lannions an den Rand gezogen und in einem „Zweckbau“ untergebracht worden. Aber auch hier gibt es eine Überraschung: produziert wird in zwei schottischen Potstills in einer typischen Größe.

Vermutlich war der Zaubertrank bei Asterix und Obelix auch bereits eine frühe Form von Whisky, denn die Bretonen behaupten mit gutem Recht, dass die Herstellung von Whisky über Asien nach Frankreich und von dort über Irland nach Schottland gekommen ist. Mal sehen, ob ich das geschmacklich so unterschreiben möchte.

New Make

Ein Alkoholgehalt von 74.4% ist relativ hoch. Das „Bier“ bei der Whiskyproduktion hat 8%, die Low Wines schon ungewöhnlich hohe 35% und der New Make dann um die 75%. Von den 6.000 Litern aus dem Washback werden komme 3.500 Liter in und am Ende ca. 1.100 Liter aus der Spirit Still von denen nur 650 Liter als New Make genommen werden (middle cut). Insgesamt werden 100.000 LPA (Liter reiner Alkohol) pro Jahr produziert.

  • Nase: Fruchtig, Maische, sehr schottisch
  • Geschmack: Mild und süß, sehr ausgewogen, fruchtig, Banane, malzig
  • Nachklang: Angenehm und kein Obstbrand im Abgang. Süß und lang.

Breizh

Der Breizh besteht zu 50% aus Single Malt und 50% aus Weizenbrand (als Grain). Nicht nur das Mischungsverhältnis, sondern auch die Herstellung sind die nächste Überraschung, denn auch der Weizenbrand wurde doppelt in den beiden Potstills gebrannt. Auf die Frage warum dieser Blend so aufwendig produziert wird, meint Clémence nur: „weil wir unabhängig sind und es deshalb so machen können, wie wir es für richtig halten„. Sympathisch für alle Genießer. Ausgezeichnet wurde dieser Blend 2013 und 2014 als „Best European Blended Whisky“ bei den WWA (World Whisky Awards).

  • Nase: Leichte Gewürznote, etwas Mandarine, leicht malzig
  • Geschmack: Ein wenig von der malzigen Banane, lebhaft, ein wenig Vanille
  • Nachklang: Trocken

Den kann man gut trinken. Passt sicher gut auf der Terrasse und zum Grillen (vorher).

Classic

Der Classic wird zu ca. 70% aus jungen (ca. 4-jährigen) ex-Bourbon-Fässern und 30% aus Oloroso-Sherry-Fässern (ca. 8-jährige) hergestellt. Die Bourbon-Fässer kommen größtenteils von Buffalo Trace.

  • Nase: junge Wildheit mit süßer Reife. Eine angenehme und ausgewogene Mischung. Süße Früchte. Ein wenig Birne aber kein Obstler. Gewürze, ein wenig Muskat. Vanille und etwas Honig.
  • Geschmack: Süß und kräftig. Malzig. Früchtekompott.
  • Nachklang: Trauben. Leichte Süße und trocken im Abgang.

Dieser junge Einstiegswhisky gefällt schon ganz gut. Ich Geschmack überwiegen die eher noch etwas ruppigeren Holznoten aus den jungen Bourbonfässern. Aber auch der macht sich gut auf der Terrasse.

Breton Oak

Heute lerne ich, dass es auch eine bretonische Eiche gibt. Warenghem ist eine Kooperation mit dem einzigen bretonischen Fassmacher eingegangen und darf aus einigen bretonischen Eichen eigene Fässer herstellen lassen. Dies ist ein Einzelfass mit ca. 400 Litern, das speziell für Alba Import nur für den deutschen Markt abgefüllt wurde.

  • Nase: Erinnert ein wenig an Mizunara Eiche. Süß an der Nase. Würzige (Piment?) Blumenwiese? Ein wenig diese kräftigen süßen Vanillearomen wie Virgin Bourbon.
  • Geschmack: Mit Kraft. Würzig, weniger süß. Ein wenig Holunderblüte.
  • Nachklang: Würzig und lang. Keine Eiche, kaum trocken.

Der gefällt mir bisher am Besten. Hat ordentlich Kraft aber ist sehr ausgewogen und rund. Schöner Tropfen. In einer Blindverkostung geht der locker als Schotte durch.

Double Maturation

Der „Double“ wurde nicht nur „Best European Single Malt Whisky“ 2013 bei der WWA sondern kassierte auch „Double Gold“ bei der San Francisco World Spirits Competition 2014 ein. Reifen durfte er erst drei Jahre in bretonischer Eiche und dann noch mal drei Jahre in einem Oloroso Sherry Butt.

  • Nase: Eher fleischig als süß, Birne, keine Spur vom Oloroso
  • Geschmack: Prickelt mehr als die Fassstärke, Trauben, Birne, wenig süß, würzig
  • Nachklang: trocken, mittellang

Mit dem Wissen, dass hier ein Olorosofass beteiligt ist, fehlt es mir. Weder Fruchtigkeit noch Süße kommen so zum Vorschein, wie ich erwartet hätte.

Maitre de Chai

Der „Kellermeister/Lagermeister“ ist eine limitierte Auflage, die einmal jährlich seit 2014 erscheint. Dieses Jahr wurden zwei first fill Oloroso Sherryfässer (#2325/#2328) aus dem Jahr 2008 in 1.700 Flaschen abgefüllt. Nur 200 davon sind für Deutschland bestimmt.

  • Nase: Ähnlich wie beim Double wäre ich hier nicht auf Oloroso gekommen. Auch hier eher Birnen, fleischig. Mit der Zeit kommt ein wenig süße Frucht.
  • Geschmack: Hier kommt ein wenig Süße. Leichte Anzeichen von Schokolade.
  • Nachklang: Eher trocken und lang.

Der Maitre de Chai ist ein guter Whisky, trifft aber nicht so meinen persönlichen Geschmack. Dieser fällt aber jedes Jahr anders aus und dieses Jahr wurden bewusst Sherryfässer gewählt, die niemand in der Distillery als solche erkannt hat. Die Wahl fällt durch den Lagermeister und der hat diese ungewöhnlichen Fässer ausgewählt.

Port

Dieser Single Malt lagerte für die gesamten sieben Jahre direkt in einem Portfass. Aus dem Fass #8041 wurden 300 Flaschen abgefüllt.

  • Nase: Capuccino. Süß, Schokolade. Malzig und würzig nach etwas Zeit.
  • Geschmack: Minze. Kräftiger Antritt. Ein wenig Schokolade.
  • Nachklang: Süßlich und trocken. Mittellanger Abgang.

Ein schönes Einzelfass. Aber noch hat der Breton Oak die Nase vorn.

Millesime

Auch der Millesime ist eine jährliche, limitierte Sonderabfüllung. Dieser vierte aus der Serie ist aus 2002 und mit 13 Jahren die bisher älteste Abfüllung der Destillerie. Das Olorosofass #3260 kam für vier Jahre zum Einsatz nachdem der Whisky für neun Jahre in ex-Bourbonfässer reifte. Von den 739 Flaschen haben es 180 nach Deutschland geschafft.

  • Nase: Kräftige süße Früchte, hier kommt der Oloroso! Komplex, entwickelt sich, wenn man ihm Zeit lässt. Es kommt auch die Vanille-note aus den Bourbonfässern.
  • Geschmack: Nicht so süß wie an der Nase. Kräftig aber ausgewogen und harmonisch. Etwas Kakao- und Schokoladennote. Leichte Fruchtnote.
  • Nachklang: Ein wenig Holz. Mittel-langer, trockener Abgang.

Der Millesime ist meine Wahl des Abends. Schön ausgewogen und rund. Als Fassstärke verträgt der auch ein paar Tropfen Wasser geht aber auch gut ohne.

Vielen Dank an HanseMalt, Alba Import und Clémence für den interessanten Abend und die Einladung. Ich bin positiv überrascht und bin mir nicht sicher, ob ich bei einem Blindtasting richtig gelegen hätte. Aber da bin ich in guter Gesellschaft (aktueller Highland Herold, Julia Nourney, Seite 29).

Armorik Deutschlandtour 2015

Mein Besuch bei HanseMalt während der Roadtour 2015 mit
Chris Rickert
Dietmar Schulz
Clémence Vedrenne
LineUp
LineUp im Glas
Goldene Stimmung
Die Gäste
Fine Bretagne

Mehr Infos zu Warenghem findet Ihr unter www.distillerie-warenghem.com